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Urlaubsbericht Camyuva

Nachdem 2003 für uns ein richtiger Urlaub ausgefallen war, wurde ein richtiger Sommerurlaub schon für die erste Maihälfte 2004 gebucht. Die Reise ging - weg aus dem noch eher wechselhaften Deutschland - Richtung Türkei, genauer gesagt nach Camyuva an die Mittelmeerküste südlich von Kemer (ca. 50km südlich von Antalya).
Für die zwei Wochen bezogen wir Quartier im "Majesty Elizee" 5 Sternchen Hotel direkt am Strand - mit schöner Poolanlage, all inclusive und viel leckerem Essen.

Camyuva

Und nachdem an den ersten beiden Maitagen die Regenstatistik für den ersten Saisonmonat erfüllt war, konnte auch am Wetter nichts mehr ausgesetzt werden. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich brauche hin und wieder solch einen Pauschalaufenthalt mit viel nichts tun und faul am Pool liegen. Und das machten wir dann auch ausgiebig - in der Sonne räkeln, endlich mal Zeit für Bücher haben, Cocktails schlürfen - und sonst nichts tun. Zumindest fast nichts, denn solch ein Programm würde 14 Tage lang auch mir zu langweilig werden.
An den Montagen waren wir jeweils mit dem Dolmusch unterwegs (wer's nicht kennt: das Hauptverkehrsmittel für Kurzstrecken in der Türkei, eine Art Kleinbus, der mit Handzeichen gestoppt wird). Und zwar ging's nach Kemer auf den Basar, der ganz offensichtlich auf die vielen Touristen der Region zugeschnitten war. Und während man vor 5 Jahren auf solcherlei Märkten noch echt falsche Produkte (Taschen, Mützen, Brillen usw.) von Chimsee, Celvin Klein und Adidas erwerben konnte, muss man sich nun mit nichts Geringerem als Prada, Gucci und Dolce Gabana zufrieden geben. Schade eigentlich, denn ohne die fetten Label wäre das eine oder andere Shirt bzw. diese oder jene Brille nicht schlecht gewesen.
Wie dem auch sei - eine paar Euro (ja, damit - und mit US-Dollar für die vielen Russen - kann man in Touristenregionen problemlos zahlen) haben wir trotzdem da gelassen, denn wie es jedem sicher oft passiert, ein paar Dinge hatten wir doch daheim vergessen. Zum einen erwarben wir darum gegen den Sonnenstich Hüte ohne Branding irgend einer putzigen Firma und zum Anderen kauften wir für die lauen Abende an der Poolbar unser nunmehr drittes Backgammon Brett (die anderen liegen ja gut beschützt zu hause im Schrank).

Aber nicht nur zum Shoppen verließen wir das Hotel - auch eine Busfahrt zu diversen antiken Steinhaufen gehört zu jedem Türkeiurlaub dazu. Auf der von uns ausgewählten Tour besuchten wir zunächst die Reste der Kirche vom heiligen Nikolaus. Ja, richtig vermutet, es ist der Nikolaus, aus dem später der Kinder beschenkende alte rotkuttige Zausel erfunden wurde. Dort wurde das ganze natürlich touristentechnisch aufbereitet und Vermarktet und so grinst Knecht Ruprecht von türkischen Mülleimern und als Bemalung von Kürbissen...

Camyuva

Quasi direkt um die Ecke von St. Nikolaus' Kirche - nur eben ein paar Jahrhunderte eher entstanden - ging es dann zu den ersten antiken Steinen. Hier in Myva in Form von in die Felsen gehauenen Gräbern sowie eines Amphitheaters - wie sich das eben so für ordentliche römische Artefakte gehört.

Camyuva

Zumindest waren die verbliebenen Reste römischen Ursprunges, diese Kultur der Felsengräber soll in dieser Gegend aber noch wesentlich älter sein - so ungefähr aus der Epoche, als die Germanischen Ahnen sich noch mit der Keule die Paarungspartner besorgten (oder so).
Nach dem Aufenthalt dort lernten wir dann noch (nach einem schmackhaften Mittagesen, soviel Zeit muss sein) die versunkene Ortschaft Kale kennen. Davon sind, wie das bei versunkenen Städten so ist, nur noch nur noch die höher gelegenen Bauwerksreste zu sehen, die als Inselgruppen und auf Hügelketten aus dem Meer ragen. Für die Besichtigung hier wechselten wir natürlich sinniger weise vom Bus in einen kleinen Kahn, der uns quasi über die Ortschaft brachte und so konnten wir unter dem Kiel diverse Stein- und Mauerkonstruktionen erspähen, also offensichtliche Bearbeitungsspuren der früheren Bewohner.

Camyuva

Von so viel Kultur mussten wir uns an den folgenden Tagen natürlich wie gehabt am Pool ausruhen und konnten erst Tage später einen weiteren Trip unternehmen. Dieser, wieder mit Führung, war aber zum Selbstlenken und hatte weniger mit Bildung, sondern vielmehr mit Spaß zu tun, und natürlich der grandiosen Natur des Taurusgebirges. Wir unternahmen nämlich eine sogenannte Jeepsafari in der Touristen (also wir) im Suzuki-Samurai-Rudel aufkreuzen über holperige Pisten fahren. Gut, die Einheimischen haben kein Problem damit den großen Benz den größten Teil der selbe Schotterpisten mit doppelter Geschwindigkeit zu passieren - aber Spaß macht es allemal. Richtig toll war es dann in den abgelegeneren Passagen weiter oben, den schneebedeckten Gipfeln nahe (um die 2400 Meter hoch). Die Natur ist dort entsprechend dem Höhenklima geduckter aber trotzdem durchweg grün. Die wenige Wölkchen kriechen in Schwaden über die Bergketten, Ziegen grasen in saftigen Almen, und die Jeeps als Kontrastprogramm ziehen in einer Staubwolke vorbei.

Camyuva

Wem solch eine Tour liegt, dem sei sie hiermit wärmstens empfohlen - wann sonst hat man schon die Gelegenheit über Stock und Stein und durch Pfützen und Wasserloch zu brausen?! Wie dem auch sei - die Kleidung sollte entsprechend alt gewählt sein...

Von so viel Action ruhten wir uns, wie sollte es anders sein, wieder ein paar Tage auf der Liege nahe der Poolbar aus, um schließlich noch ein Auto für einen Tag zu mieten und damit auch auf eigene Faust diverse Steinhaufen (Olympos) zu besuchen. Besonders gelohnt hat sich dabei auch der Abstecher zu den Chimären. In diesem Falle keine Seeungeheuer, sondern danach benannte "ewige Flammen". Diese sind nur zu Fuß über einen steilen Aufstieg zu erreichen, den man am besten zu kühleren Tageszeiten vornehmen sollte. Aber wir sind ja keine Weicheier und stapften unter der Mittagssonne nach oben und konnten uns oben angekommen anschließend an den Feuern wärmen.

Camyuva

Es strömt hier nämlich aus einigen Rissen und Spalten im Gestein stetig brennbares Gas aus und so dürfte eine Besichtigung in den Stunden ohne Sonne besonders lohnenswert sein (in diesem Falle aber Taschenlampe für Auf- und Abstieg einpacken).
So - und sonst haben wir im Urlaub (hatte ich das schon erwähnt?) am Pool gelegen, sind im selben und im Meer geschwommen, haben viel gegessen und einiges zugenommen und es ging uns richtig gut.

Copyright Jens Rudolph