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15. Juli 2009 | Renés blauer Zahn
Sollte meine vierjährige Nichte einmal eine berühmte Künstlerin im Bereich des abstrakten Zeichnens werden, darf ich mit der Veröffentlichung dieses frühen Werkes sicher als ihr Entdecker gelten. Die Malerin selbst schweigt zwar zu ihren Intensionen und mochte dem Werk auch keinen Namen geben, doch gab sie mir einige Hinweise zum abgebildeten Thema. So sehen wir hier Onkel René nebst eines frisch verlorenen Zahnes (Stichwort Zahnfee) - dargestellt als blaues Viereck am überdimensionierten Kinn.

Das ist der René, gezeichnet von der LeonieInterpretation: Leonie greift in ihrer noch namenlosen Grafik zwei eminent aktuelle Themen auf und verbindet diese mit einer bemerkenswert pregnanten Deutlichkeit. Der plötzlich aus dem Mund gefallene Zahn weist unmissverständlich auf die brisante Gemengelage des Gesundheitssystems hin. Die so gestellten Frage "Wieviel kostet mich meine dentale Vollzähligkeit?" wäre aber zu kurz gedacht. Die Farbwahl des Zahns deutet nämlich unzweideutig auf den technologischen Aspekt hin, steht das englische Pedant Bluetooth doch für einen Datenfunkstandard. Leonie knüpft also mit der naiven Leichtigkeit der Darstellung geschickt an so schwere Themen wie die Unsicherheit von biometrischen Daten auf der Gesundheitskarte an.
Andere von der Künstlerin angewendete Ausdrucksmerkmale wage ich in ihrer Vielschichtigkeit fast gar nicht mehr zu deuten - die Vielzahl an Fingern, verbunden mit dem überproportionalen wachsenden Kopf, könnte z.B. auf die geopolitisch wirtschaftliche Lage abzielen. Die großen Hände stünden hier für die noch gewaltige mitteleuropäische Arbeiterklasse, die im Kampf um internationale Wettbewerbsfähigkeit dazu verdammt ist in Zukunft ihren Unterhalt eher mit Hirn als Hand zu verdingen.
Mögliche Titel für das vorliegende Gemälde könnten also "Der digitale Patient ist gläsern" oder "Das Proletariat im Wandel der Zeit"lauten. Wo auch immer der Kern des Dargestellten zu finden ist, in meinen Augen haben wir es hier mit einer begnadeten Künstlerin zu tun, die bereits am Anfang ihres künstlerischen Schaffens komplexe Problemstellungen mit gesellschaftskritischen Aspekt zum Thema ihrer Arbeiten macht. Wir dürfen also auf folgende Werke gespannt sein.

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