RUDOLPHS.eu

Jens Rudolph blogt feed icon

12. Januar 2010 | Dreidimensionale Filme
Fast seit Bestehen des bewegten Bildes gibt es Betrebungen räumlich dargestellte Filme zu etablieren. Und genau so wie die verschiedenen Techniken in schöner Regelmäßigkeit auftauchten und als die Zukunft des Kinos propagiert wurden, verschwanden diese bisher immer wieder und fristen ein Nieschendasein. Momentan wird das Thema wieder vermehrt bearbeitet, und Kinos rüsten ihre Säle mit 3D-Projektoren aus. Und weil die Herstellerfirmen von Heimelektronik auf der Suche nach dem nächsten Kassenschlager sind, soll die dritte Dimension möglichst bald auch in die Fernsehgeräte in den Wohnzimmern Einzug halten.

Ich aber hege Zweifel daran, dass sich dieses Ansinnen so problemlos umsetzen lassen wird. Zunächst sei hier die Technik zu nennen. Der Standard ist, anders als bisher (und zuletzt beim Kampf Blueray vs. HD-DVD), beschlossene Sache: die Bilder für linkes und rechtes Auge sollen mittels batteriebetriebenen, herstellerübergreifend funktionierenden Shutterbrillen in dreidimensional erscheinen. Und genau hier frage ich mich, ob wir wirklich bereit sind uns mit einem im günstigsten Fall modisch zweifelhaften Nasenfahrrad, im schlechtesten Fall einfach störenden Plastegestell im Gesicht, vor den Fernseher zu setzen.

Als Beispiel für gelungenes 3D Kino wird in jüngster Zeit oft Camerons Avatar - Aufbruch nach Pandora genannt. Sicherlich ist der Film ein Meilenstein für viele Dinge im modernen Kino, selten wurde Animationsfilm so gekonnt mir Realfilm verquickt. Und auch die Story mit den bösen Cowboys und guten Indianern weiß zu gefallen - aber braucht es wirklich die räumliche Darstellung?
Ich habe den Film in 3D gesehen und war nicht wirklich hingerissen vom vielerorts gelobten stereoskopischen Aufführungsverfahren. Meine Augen tränten nach einer Weile, bei schnellen Bewegungen schien die Schärfe in den Keller zu gehen - Details waren dann kaum noch wahrnehmbar. Kern des Problems ist aber, dass man die Augen überlistet und ihnen Dreidimensionalität vorgaukelt. Durch diese räumliche Darstellung versucht nun der menschliche Sehapparat sein Linsensystem zu benutzen: man versucht unweigerlich verschiedene Punkte zu fokusieren. Erst einen Navi vorn, dann einen Baum in der Mitte, schließlich den Berg im Hintergrund - nur ist das Unterfangen zum Scheitern verurteilt. Denn was scharf ist entscheidet nicht das Zuschauerhirn, sondern die Regie. Im 2D Film ist das kein Problem und eine reduzierte Tiefenschärfe ein übliches Stilmittel, entspricht es doch auch dem normalen Sehen. Im 3D-Film ist es hingegen eigentlich nicht einsetzbar, hier müsste alles scharf dargestellt sein, um den 3D-Effekt überzeugend aufrecht zu erhalten. Doch da Herr Camaron in manchen Szenen trotzdem auf reduzierte Tiefenschärfe setzt, hat er bei mir oft Frustration ausgelöst und, wie gesagt, meine Augen tränen lassen.

Avatar zeigt daher, was 3D-Bewegtbilder können - vor allem aber auch, was sie nicht zu leisten im Stande sind - was nicht funktioniert, weil es nicht funktionieren kann!

<< zur Eintrags-Übersicht



Bitte trage hier deinen Kommentar ein.
Dein Eintrag (HTML wird entfernt, max. 1000 Zeichen) *:

Dein Name *:

Homepage Adresse (inkl. http://):

Email Adresse:
*) Pflichtfelder

Es liegt noch kein Kommentar zu diesem Beitrag vor, du kannst der Erste sein!



Aktuelle Weblogeinträge

Diesen Weblog kannst du mit einem RSS-Reader abonnieren: feed icon


Copyright Jens Rudolph